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Frank Hirschhausen user29150159766802

Drei Tage zwischen Bühnenlicht und Konzentration

Einmal im Jahr verwandelt sich die Muziekgieterij in Maastricht in eine Bühne ohne Pause.

Das Jazz Fest des Conservatoriums ist der Abschluss – Bachelor, Master, das ganze Studium kondensiert auf 45 Minuten. Zwei Bühnen, eine große und eine kleine, beide ständig in Bewegung. Eine eigene Band zusammenstellen, Musik komponieren oder arrangieren, proben, ein Plakat entwerfen, den Technical Rider schreiben. Und dann raus auf die Bühne und um ihr Leben musizieren.

Das klingt despektierlich, ist es aber nicht. Es geht nicht um Kampf. Es geht darum, die eigene Stimme zu erheben. Für sich selbst einzutreten – vor einem Publikum das genau hinhört.

Ich bin froh dass ich das nicht muss. Ich kann kein Instrument spielen das man mir nicht sofort wieder abnehmen würde. Singen schon gar nicht. Selbst als Luftgitarrist bin ich eine Enttäuschung – mein Instrument ist irgendwo verschwunden und ich finde es nicht wieder. Aber Respekt habe ich. Großen Respekt für jeden der sich da hinstellt und spricht, singt, spielt.

Ich stehe daneben. Mit der Kamera. Und das ist gut so.

Anstrenge Tage. Im 45 – 60 Minuten Takt muss wechsele ich die Räume, manchmal die komplette Musik. Pro Tag laufe ich so um die 5 km – klingt nicht viel, passiert aber auf kleinem Raum. Wie hält Servicepersonal in den Restaurants das aus?

Neue Vorgehensweise: ein Filter auf dem Objektiv, um die hellen Töne weicher zu machen, strahlen zu lassen. Zudem mit einem fixen Weissabgleich arbeiten, so sehen zumindest alle Fotos auf den ersten Blick gleich aus. Konsistent im Farbenrausch.

Was gibt es noch zu sagen? Etwa 5800 Bilder habe ich hernach kopiert. Viele davon sehen gleich aus, manchmal aus versehen den Boden, die Decke oder irgendeine Kante dabei abgelichtet. Wenn man noch die Duplikate abzieht, unscharfe Fotos und solche die einfach nichts sagen, bleiben wahrscheinlich 400 – 500 Bilder nachher übrig. Aufgeteilt auf die 30 Konzerte.

Dazu kommt: viel von dem was ich mitnehme ist Mist. Unscharf, schief, der falsche Moment zur falschen Zeit. Das gehört dazu.

Aber genau hier liegt die eigentliche Verantwortung – nicht in Lightroom, nicht in Photoshop. In der Auswahl. Welches Bild zeigt jemanden so wie er wirklich war in diesem Moment? Nicht geschönt, nicht verzerrt – einfach gut. Das ist keine Bearbeitung. Das ist eine Entscheidung, schon vorher, beim Sichten.

400 bis 500 Bilder am Ende. Aus 5800. Aufgeteilt auf 30 Konzerte, 30 Geschichten, 30 Mal jemand der sich für sich selbst eingesetzt hat.

Die meisten Bilder sieht niemand außer mir. Punkt.

Mein Part dabei ist klein und entspannt, wenn ich ehrlich bin. Ich muss nur fotografieren.

Die wirkliche Arbeit machen andere. Die Organisatoren und der Projektmanager des Conservatoriums – immer im Einsatz, immer für den reibungslosen Ablauf. Die Mitarbeiter der Muziekgieterij an Licht und Ton, die Stagehands. Sie halten alles am Laufen, bereit für das nächste Konzert – damit das laufende Konzert für alle im Publikum zum Genuss wird, zum Erlebnis.

Ich stehe nur daneben. Mit der Kamera. Und halte fest, was sie alle möglich machen.

2026 stehe ich wieder da. Jede Stunde ein neues Konzert, 45 Minuten Musik und 15 Minuten um durchzuatmen, Raum zu wechseln, neu anzukommen. Müde Beine, ein Filter auf dem Objektiv. Und wieder werde ich denken: Was für ein Privileg, dabei sein zu dürfen.

 

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